Auslegung postmortaler Bevollmächtigungen

Die Überschrift „Testament“ auf einem Schriftstück, welches Bestimmungen für den Todesfall des Erstellers enthält, lässt nicht ohne weiteres den Schluss auf einen Willen zur Erbeinsetzung zu. Auch rechtfertigt der Umstand, dass eine Bankvollmacht und die Testamente zusammen in einem verschlossenen Umschlag aufbewahrt wurden, noch nicht den Schluss zu, dass den beiden mit „Testament“ überschriebenen Schriftstücken  ein anderer Inhalt als eine Vollmachtserteilung zuzuordnen ist. Gegenstand der letztwilligen Verfügung kann vielmehr auch allein eine postmortale Bevollmächtigung des im Schriftstück Genannten sein. Dies gilt insb. dann, wenn sich die Bankvollmacht allein auf eine Verwendung gegenüber dem Kreditinstitut beschränkt, während die weitergehende Formulierung im Falle des Ablebens der Erblasserin einen Dritten befugt, über die Bankgeschäfte hinaus tätig zu werden, also auch Verträge zu kündigen oder das Erbe auseinanderzusetzen (OLG Rostock, Beschluss v. 08.01.2015 – 2 W 98/14).