Testamentsauslegung: Berufung zum Erben eines Einzelgegenstands

In der testamentarischen Zuwendung eines Einzelgegenstands kann entgegen der Auslegungsregel des § 2087 Abs. 2 BGB die Berufung des Bedachten zum Alleinerben liegen, wenn der Gegenstand den wesentlichen Wert des Nachlasses ausmacht. Ein festes Wertverhältnis zum Rest des Nachlasses kann dafür nicht genannt werden, denn es kommt auf die weiteren Umstände des Einzelfalls an. Bei Einsetzung der Bedachten „als Erbin meiner Wohnung“ – deren Wert 78 % des Nachlasses ausmacht – und gleichzeitiger Berufung von zwei Testamentsvollstreckern können Zweifel an der Berufung der Bedachten zur Alleinerbin bestehen (OLG Schleswig, Az.: 3 Wx 61/15).

Hinweis: Die einschlägige Rechtsprechung fordert, dass der so zugewendete Wert mindestens 90 % des gesamten Vermögens ausschöpfen müsse. Es wird allerdings, je nach den besonderen Umständen des Einzelfalls, durchaus auch bei zugewendeten Werten unter 90 % bereits eine Erbeinsetzung entgegen der Zweifelsregel angenommen.