Testamentsumdeutung: Änderung einer Nacherbenbestimmung

Die dem Vorerben eingeräumte Befugnis, die Nacherben aus einem von dem Erblasser bestimmten Personenkreis abzuändern, kann dahin umgedeutet werden, dass die Nacherben unter der Bedingung eingesetzt sind, dass der Vorerbe keine anderweitige Verfügung trifft. Eine Umdeutung des Testaments in diesem Sinne führt dazu, dass die angeordnete Nacherbfolge als solche bis zum Eintritt des Nacherbfalls fortbesteht (hier. Tod der Ehefrau), weil erst zu diesem Zeitpunkt feststeht, ob der Vorerbe von seiner Befugnis zur Herbeiführung der auflösenden Bedingung für die Nacherbfolge wirksam Gebrauch gemacht hat. Andererseits wird der Vorerbe, der wirksam anderweitig verfügt, für eine juristische Sekunde Vollerbe des Erblassers. Eine Solche Umdeutung liegt insb. dann nahe, wenn in dem gemeinschaftlichen Testament selbst die nacherbfolge unter der (auflösenden) Bedingung einer anderweitigen letztwilligen Verfügung der Ehefrau angeordnet ist (OLG München, Az.: 31 Wx 168/15).